Einleitung

Der Kontext der Organisation ist ein zentrales Element der DIN EN ISO 45001. Er bildet die Grundlage für ein wirksames Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsystem (AMS), indem er beschreibt, wer die Organisation ist, welche Rahmenbedingungen wirken und welche Erwartungen interessierte Parteien im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA) haben. Dieser Leitfaden zeigt praxisnah, wie Unternehmen ihren Kontext strukturiert erfassen und für Audits nachvollziehbar dokumentieren.


Keywords

  • Kontext der Organisation ISO 45001

  • Interne und externe Themen Arbeitsschutz

  • Interessierte Parteien ISO 45001

  • Tätigkeitsbereich Arbeitsschutz

  • Gefährdungen & Chancen ISO 45001

  • Stakeholderanalyse SGA

  • Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement

  • Prozesslandschaft ISO 45001


Sachverhalt

1. Unternehmensbeschreibung

Wie bei der ISO 9001 bildet auch bei der ISO 45001 die Unternehmensbeschreibung den Ausgangspunkt. Sie schafft Transparenz über Struktur, Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten.

Typische Inhalte:

  • Unternehmensform: z. B. GmbH, AG, Einzelunternehmen

  • Standort(e): z. B. Produktionsstandort, Verwaltung

  • Unternehmensleitung: Geschäftsführung, Werkleitung

  • Mitarbeiterzahl: inkl. Aufteilung nach Bereichen

  • Tätigkeitsbereich (wichtig): Der Tätigkeitsbereich muss im Kontext der ISO 45001 präzise und SGA‑relevant beschrieben werden.

Beispiele für Tätigkeitsbereiche:

  • Herstellung mechanischer Bauteile inkl. CNC‑Bearbeitung, Montage und innerbetrieblichem Transport

  • Lagerlogistik und Kommissionierung mit Flurförderzeugen

  • Dienstleistungen im Bereich Gebäudetechnik inkl. Montagearbeiten auf Baustellen

  • Chemische Laboranalytik inkl. Umgang mit Gefahrstoffen

  • Metallverarbeitung mit Schweißarbeiten, Pressen und automatisierten Anlagen

Der Tätigkeitsbereich ist entscheidend, da er die Grundlage für:

  • Gefährdungsbeurteilungen

  • Notfallplanung

  • Schulungsbedarf

  • operative Steuerung bildet.


2. Interessierte Parteien (Stakeholder)

Interessierte Parteien sind alle Personen oder Gruppen, die ein Interesse an der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten haben oder von den Tätigkeiten betroffen sind.

Typische Stakeholder im Arbeitsschutz:

  • Beschäftigte

  • Führungskräfte

  • Sicherheitsbeauftragte

  • Betriebsrat

  • Kunden (z. B. Anforderungen an sichere Montagearbeiten)

  • Lieferanten & Dienstleister

  • Berufsgenossenschaft

  • Gewerbeaufsicht

  • Behörden (z. B. Immissionsschutz, Arbeitsschutzbehörden)

  • Nachbarschaft / Öffentlichkeit

  • Versicherungen

Wichtig ist nicht nur die Identifikation, sondern das Verstehen ihrer Erwartungen – z. B. sichere Arbeitsplätze, rechtskonforme Prozesse, Schutz vor Gefährdungen.


3. Interne und externe Themen

Auf Basis der Stakeholder werden interne und externe Themen abgeleitet. Diese beeinflussen die Fähigkeit des Unternehmens, sichere und gesunde Arbeitsplätze bereitzustellen.

Interne Themen (beeinflussbar):

  • Qualifikation der Mitarbeitenden

  • Zustand der Maschinen und Anlagen

  • Sicherheitskultur & Führungsverhalten

  • Prozessstabilität

  • PSA‑Verfügbarkeit

  • Notfallorganisation

  • Gefährdungsbeurteilungen & Wirksamkeit der Maßnahmen

Externe Themen (nicht direkt beeinflussbar):

  • Gesetzliche Anforderungen (ArbSchG, BetrSichV, GefStoffV …)

  • Branchenanforderungen

  • Markt- und Wettbewerbssituation

  • Vorgaben der Berufsgenossenschaft

  • gesellschaftliche Erwartungen an Arbeitssicherheit

  • technische Entwicklungen (z. B. Automatisierung, Robotik)


4. Chancen- und Risikobetrachtung

Analog zur ISO 9001 müssen interne und externe Themen hinsichtlich Chancen und Risiken bewertet werden – jedoch mit Fokus auf Sicherheit und Gesundheit.

Beispiele:

Thema / Bereich

Chance

Risiko

Maßnahmen

Bewertung

Maschinen & Anlagen

Effizienzsteigerung durch Modernisierung

Arbeitsunfälle durch defekte Anlagen

Wartungsplan, Prüfungen nach BetrSichV

Sehr hoch

Mitarbeiterqualifikation

Höhere Sicherheit durch Schulungen

Fehlverhalten durch mangelnde Unterweisung

Unterweisungsplan, Qualifikationsmatrix

Hoch

Lieferanten

Sichere Arbeitsabläufe durch geprüfte Dienstleister

Unfälle durch Fremdfirmen

Fremdfirmenmanagement, Sicherheitsunterweisungen

Hoch

Notfallorganisation

Schnellere Reaktion im Ernstfall

unklare Abläufe bei Notfällen

Notfallübungen, Alarmpläne

Mittel

Gefahrstoffe

sichere Prozesse durch Substitution

Gesundheitsgefahren

GefStoffV‑Bewertung, Lüftungskonzepte

Hoch


5. Prozesslandschaft

Die Prozesslandschaft bildet die wesentlichen Abläufe im Unternehmen ab – ähnlich wie in der ISO 9001, jedoch ergänzt um SGA‑relevante Prozesse.

Typische Struktur:

  • Führungsprozesse: Politik, Ziele, Managementbewertung, Rollen & Verantwortlichkeiten

  • Kernprozesse: Produktion, Montage, Logistik, Labor, Baustellenabwicklung

  • Unterstützungsprozesse: Gefährdungsbeurteilung, Unterweisungen, Instandhaltung, Notfallmanagement, Beschaffung von PSA

Eine klare Prozesslandschaft erleichtert Audits und zeigt, wie SGA‑Anforderungen in die operativen Abläufe integriert sind.


Interne Links

Empfohlene interne Verlinkungen für deine Website:

  • Einführung – DIN EN ISO 45001

  • Gefährdungsbeurteilung – Praxisleitfaden

  • Dokumentierte Informationen – ISO 45001

  • Interne Audits – ISO 45001

  • Managementbewertung – Anforderungen & Beispiele

  • Integriertes Managementsystem (IMS)

  • Dienstleistungen: Interimsmanagement & Managementsysteme


Zusammenfassung

Der Kontext der Organisation nach DIN EN ISO 45001 umfasst:

  • Unternehmensbeschreibung

  • Tätigkeitsbereich (SGA‑relevant, mit klaren Beispielen)

  • Stakeholderanalyse

  • Interne und externe Themen

  • Chancen- und Risikobewertung

  • Prozesslandschaft

Eine strukturierte Dokumentation schafft Transparenz, stärkt die Auditfähigkeit und bildet die Grundlage für ein wirksames Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsystem.


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