Allgemein
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Siegfried Dreher

Einleitung
Der Kontext der Organisation ist ein zentrales Element der DIN EN ISO 45001. Er bildet die Grundlage für ein wirksames Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsystem (AMS), indem er beschreibt, wer die Organisation ist, welche Rahmenbedingungen wirken und welche Erwartungen interessierte Parteien im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA) haben. Dieser Leitfaden zeigt praxisnah, wie Unternehmen ihren Kontext strukturiert erfassen und für Audits nachvollziehbar dokumentieren.
Keywords
Kontext der Organisation ISO 45001
Interne und externe Themen Arbeitsschutz
Interessierte Parteien ISO 45001
Tätigkeitsbereich Arbeitsschutz
Gefährdungen & Chancen ISO 45001
Stakeholderanalyse SGA
Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement
Prozesslandschaft ISO 45001
Sachverhalt
1. Unternehmensbeschreibung
Wie bei der ISO 9001 bildet auch bei der ISO 45001 die Unternehmensbeschreibung den Ausgangspunkt. Sie schafft Transparenz über Struktur, Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten.
Typische Inhalte:
Unternehmensform: z. B. GmbH, AG, Einzelunternehmen
Standort(e): z. B. Produktionsstandort, Verwaltung
Unternehmensleitung: Geschäftsführung, Werkleitung
Mitarbeiterzahl: inkl. Aufteilung nach Bereichen
Tätigkeitsbereich (wichtig): Der Tätigkeitsbereich muss im Kontext der ISO 45001 präzise und SGA‑relevant beschrieben werden.
Beispiele für Tätigkeitsbereiche:
Herstellung mechanischer Bauteile inkl. CNC‑Bearbeitung, Montage und innerbetrieblichem Transport
Lagerlogistik und Kommissionierung mit Flurförderzeugen
Dienstleistungen im Bereich Gebäudetechnik inkl. Montagearbeiten auf Baustellen
Chemische Laboranalytik inkl. Umgang mit Gefahrstoffen
Metallverarbeitung mit Schweißarbeiten, Pressen und automatisierten Anlagen
Der Tätigkeitsbereich ist entscheidend, da er die Grundlage für:
Gefährdungsbeurteilungen
Notfallplanung
Schulungsbedarf
operative Steuerung bildet.
2. Interessierte Parteien (Stakeholder)
Interessierte Parteien sind alle Personen oder Gruppen, die ein Interesse an der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten haben oder von den Tätigkeiten betroffen sind.
Typische Stakeholder im Arbeitsschutz:
Beschäftigte
Führungskräfte
Sicherheitsbeauftragte
Betriebsrat
Kunden (z. B. Anforderungen an sichere Montagearbeiten)
Lieferanten & Dienstleister
Berufsgenossenschaft
Gewerbeaufsicht
Behörden (z. B. Immissionsschutz, Arbeitsschutzbehörden)
Nachbarschaft / Öffentlichkeit
Versicherungen
Wichtig ist nicht nur die Identifikation, sondern das Verstehen ihrer Erwartungen – z. B. sichere Arbeitsplätze, rechtskonforme Prozesse, Schutz vor Gefährdungen.
3. Interne und externe Themen
Auf Basis der Stakeholder werden interne und externe Themen abgeleitet. Diese beeinflussen die Fähigkeit des Unternehmens, sichere und gesunde Arbeitsplätze bereitzustellen.
Interne Themen (beeinflussbar):
Qualifikation der Mitarbeitenden
Zustand der Maschinen und Anlagen
Sicherheitskultur & Führungsverhalten
Prozessstabilität
PSA‑Verfügbarkeit
Notfallorganisation
Gefährdungsbeurteilungen & Wirksamkeit der Maßnahmen
Externe Themen (nicht direkt beeinflussbar):
Gesetzliche Anforderungen (ArbSchG, BetrSichV, GefStoffV …)
Branchenanforderungen
Markt- und Wettbewerbssituation
Vorgaben der Berufsgenossenschaft
gesellschaftliche Erwartungen an Arbeitssicherheit
technische Entwicklungen (z. B. Automatisierung, Robotik)
4. Chancen- und Risikobetrachtung
Analog zur ISO 9001 müssen interne und externe Themen hinsichtlich Chancen und Risiken bewertet werden – jedoch mit Fokus auf Sicherheit und Gesundheit.
Beispiele:
Thema / Bereich | Chance | Risiko | Maßnahmen | Bewertung |
|---|---|---|---|---|
Maschinen & Anlagen | Effizienzsteigerung durch Modernisierung | Arbeitsunfälle durch defekte Anlagen | Wartungsplan, Prüfungen nach BetrSichV | Sehr hoch |
Mitarbeiterqualifikation | Höhere Sicherheit durch Schulungen | Fehlverhalten durch mangelnde Unterweisung | Unterweisungsplan, Qualifikationsmatrix | Hoch |
Lieferanten | Sichere Arbeitsabläufe durch geprüfte Dienstleister | Unfälle durch Fremdfirmen | Fremdfirmenmanagement, Sicherheitsunterweisungen | Hoch |
Notfallorganisation | Schnellere Reaktion im Ernstfall | unklare Abläufe bei Notfällen | Notfallübungen, Alarmpläne | Mittel |
Gefahrstoffe | sichere Prozesse durch Substitution | Gesundheitsgefahren | GefStoffV‑Bewertung, Lüftungskonzepte | Hoch |
5. Prozesslandschaft
Die Prozesslandschaft bildet die wesentlichen Abläufe im Unternehmen ab – ähnlich wie in der ISO 9001, jedoch ergänzt um SGA‑relevante Prozesse.
Typische Struktur:
Führungsprozesse: Politik, Ziele, Managementbewertung, Rollen & Verantwortlichkeiten
Kernprozesse: Produktion, Montage, Logistik, Labor, Baustellenabwicklung
Unterstützungsprozesse: Gefährdungsbeurteilung, Unterweisungen, Instandhaltung, Notfallmanagement, Beschaffung von PSA
Eine klare Prozesslandschaft erleichtert Audits und zeigt, wie SGA‑Anforderungen in die operativen Abläufe integriert sind.
Interne Links
Empfohlene interne Verlinkungen für deine Website:
Einführung – DIN EN ISO 45001
Gefährdungsbeurteilung – Praxisleitfaden
Dokumentierte Informationen – ISO 45001
Interne Audits – ISO 45001
Managementbewertung – Anforderungen & Beispiele
Integriertes Managementsystem (IMS)
Dienstleistungen: Interimsmanagement & Managementsysteme
Zusammenfassung
Der Kontext der Organisation nach DIN EN ISO 45001 umfasst:
Unternehmensbeschreibung
Tätigkeitsbereich (SGA‑relevant, mit klaren Beispielen)
Stakeholderanalyse
Interne und externe Themen
Chancen- und Risikobewertung
Prozesslandschaft
Eine strukturierte Dokumentation schafft Transparenz, stärkt die Auditfähigkeit und bildet die Grundlage für ein wirksames Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsystem.