Allgemein
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Siegfried Dreher

Grundlagen, Anforderungen & sichere Ausführung
Einleitung
Verkettete und flexible Systeme bilden das Rückgrat moderner Produktionsumgebungen. Sie ermöglichen hohe Automatisierungsgrade, kurze Durchlaufzeiten und eine wirtschaftliche Fertigung variantenreicher Produkte. Gleichzeitig entstehen durch das Zusammenwirken mehrerer Maschinen neue sicherheitstechnische Herausforderungen, die über die Betrachtung einzelner Maschinen hinausgehen.
Die folgenden Inhalte basieren auf den Schulungsunterlagen des BASIS‑Moduls RT‑e und fassen die wichtigsten technischen, rechtlichen und sicherheitstechnischen Anforderungen zusammen.
Keywords
verkettete Systeme, flexible Fertigungssysteme, Maschinenrichtlinie, sicherheitstechnische Verknüpfung, Gefährdungsbeurteilung, Schutzeinrichtungen, EN ISO 12100, EN ISO 13855, Sicherheitsabstände, Automatisierung, FFS, NC‑Maschinen, DGUV, Betriebssicherheitsverordnung, Gefahrstellen, Probebetrieb
Sachverhalt
1. Betroffene Berufsgenossenschaften (BG)
Relevante BG‑Bereiche laut Dokument:
BG Holz und Metall
BG Verkehr
BG Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse
BG Nahrungsmittel und Gastgewerbe
BG Handel und Warenlogistik
BG Druck und Papierverarbeitung (mehrfach im Dokument zitiert)
Beispiel aus dem Dokument:
„Zur Absicherung von Gefahrenstellen werden … Lichtvorhänge, Lichtgitter, Laserscanner, Schaltmatten, Zweihandschaltungen … verwendet.“
2. Anforderungen an verkettete Systeme
2.1 Definition
Ein verkettetes System besteht aus seriell oder parallel verknüpften Werkzeugmaschinen oder deren Kombinationen.
„Ist ein Produktionssystem aus seriell und parallel verknüpften Werkzeugmaschinen … aufgebaut, so spricht man von einem verketteten System.“
2.2 Wann wird eine verkettete Anlage zur Maschine?
Eine verkettete Anlage gilt als Gesamtheit von Maschinen nach Maschinenrichtlinie, wenn:
funktionale Verknüpfung besteht
steuerungstechnische Verknüpfung besteht
sicherheitstechnische Verknüpfung erforderlich ist
„Werden alle drei Fragen mit ‚Ja‘ beantwortet, ist die verkettete Anlage eine Gesamtheit von Maschinen …“
Konsequenz: ➡️ Es muss eine neue Konformitätserklärung für die Gesamtanlage erstellt werden.
2.3 Typische Gefährdungen
zusätzliche Gefahrstellen durch Verkettung
Schnittstellenrisiken
Nachlaufbewegungen
unvorhergesehene Maschinenbewegungen
Manipulation von Schutzeinrichtungen
besondere Risiken im Probebetrieb
„Mit jeder Verkettung kann sich die Anzahl der Gefahrstellen erhöhen.“
3. Stand der Technik
3.1 Normenstruktur
Typ A‑Normen: Grundnormen (z. B. EN ISO 12100)
Typ B‑Normen: Sicherheitsabstände, Not‑Aus, Mindestabstände
Typ C‑Normen: Produktnormen (z. B. Industrieroboter, Bearbeitungszentren)
„DIN EN ISO 12100 ersetzt EN 292“
3.2 Sicherheitsabstände
Die Dokumente enthalten zahlreiche Tabellen zu:
horizontalen Sicherheitsabständen
vertikalen Sicherheitsabständen
Engstellen nach EN ISO 13854
Annäherungsgeschwindigkeiten (1,6–2,0 m/s)
Beispiel:
„S = (K × T) + C“ – Formel zur Berechnung des Mindestabstands
4. Ausführung & technische Maßnahmen
4.1 Schutzeinrichtungen
Die Unterlagen unterscheiden:
trennende Schutzeinrichtungen (feststehend, beweglich, verriegelt, mit Zuhaltung)
nicht trennende Schutzeinrichtungen (Zweihandschaltung, Zustimmungsschalter, Lichtgitter)
abweisende Schutzeinrichtungen (Finger‑/Fußabweiser)
„Zum Schutz vor bewegten Maschinenteilen können unterschiedliche Schutzeinrichtungen eingesetzt werden.“
4.2 Besondere Betriebszustände
Gefährdungen entstehen u. a. bei:
Einrichten
Probebetrieb
Störungsbeseitigung
Wartung
„Das eingesetzte Personal ist im Probebetrieb … einem höheren Risiko ausgesetzt.“
5. Anwendungsbeispiele (inkl. Lösungen)
Beispiel 1: Logistische Anlagen (Postverteilung)
Aus dem Übungsdokument:
Gefährdungen: Quetschen, Einziehen, Stolpern, Fahrzeugverkehr, Witterung
Schutzmaßnahmen:
klare Verkehrswege
Geschwindigkeitsbegrenzungen
PSA (Warnkleidung)
technische Sicherungen an Förderanlagen
ergonomische Gestaltung
Beispiel 2: Briefzustellung mit E‑Scooter
Gefährdungen:
Verkehrsunfälle
Witterung
Sichtbehinderungen
Lastenhandhabung
Ablenkung durch Navigation
Lösungen:
Fahrsicherheitstraining
rutschfeste Kleidung
ergonomische Taschen
sichere Abstellzonen
regelmäßige Fahrzeugprüfung
Beispiel 3: Verkettete CNC‑Zelle
Gefährdungen:
Nachlaufbewegungen
ungeschützte Schnittstellen
unzureichende Verriegelungen
Lösungen:
Verriegelte Schutztüren
Lichtgitter mit EN ISO 13855‑Abstand
Not‑Halt‑Durchschleifung
sichere Betriebsartenwahl (Schlüsselschalter)
6. Regelungen & Vorschriften
Rechtsgrundlagen
Maschinenrichtlinie 2006/42/EG
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
DGUV Vorschrift 1
DGUV Regeln (z. B. 100‑500)
EN ISO 12100, 13854, 13855, 13857
Produktsicherheitsgesetz (ProdSG)
Zitat:
„Die Maschinenrichtlinie zielt darauf ab, dass nur solche Maschinen … betrieben werden, die ein möglichst sicheres Arbeiten ermöglichen.“
Externe Links
DGUV Test Zertifikatsrecherche: https://www.dguv.de/dguv-test
Gefährdungsbeurteilung: https://www.gefaehrdungsbeurteilung.de
Stop Manipulation: https://www.stopp-manipulation.org
Interne Links (für Framer)
/blog/maschinenrichtlinie
/blog/gefaehrdungsbeurteilung
/blog/schutzeinrichtungen
/blog/automatisierung
/blog/ce‑kennzeichnung
🧾 Zusammenfassung
Verkettete und flexible Systeme bieten enorme Effizienzpotenziale, erhöhen jedoch gleichzeitig die Komplexität der sicherheitstechnischen Betrachtung. Entscheidend ist, dass nicht nur Einzelmaschinen, sondern das gesamte System als Einheit bewertet wird. Die Maschinenrichtlinie, EN‑Normen und DGUV‑Regeln bilden den verbindlichen Rahmen für Planung, Betrieb und Gefährdungsbeurteilung. Mit klaren Schutzmaßnahmen, korrekter Betriebsartenwahl und einer systematischen Betrachtung aller Schnittstellen lassen sich Risiken wirksam minimieren.