Grundlagen, Anforderungen & sichere Ausführung


Einleitung

Verkettete und flexible Systeme bilden das Rückgrat moderner Produktionsumgebungen. Sie ermöglichen hohe Automatisierungsgrade, kurze Durchlaufzeiten und eine wirtschaftliche Fertigung variantenreicher Produkte. Gleichzeitig entstehen durch das Zusammenwirken mehrerer Maschinen neue sicherheitstechnische Herausforderungen, die über die Betrachtung einzelner Maschinen hinausgehen.

Die folgenden Inhalte basieren auf den Schulungsunterlagen des BASIS‑Moduls RT‑e und fassen die wichtigsten technischen, rechtlichen und sicherheitstechnischen Anforderungen zusammen.


Keywords

verkettete Systeme, flexible Fertigungssysteme, Maschinenrichtlinie, sicherheitstechnische Verknüpfung, Gefährdungsbeurteilung, Schutzeinrichtungen, EN ISO 12100, EN ISO 13855, Sicherheitsabstände, Automatisierung, FFS, NC‑Maschinen, DGUV, Betriebssicherheitsverordnung, Gefahrstellen, Probebetrieb


Sachverhalt

1. Betroffene Berufsgenossenschaften (BG)

Relevante BG‑Bereiche laut Dokument:

  • BG Holz und Metall

  • BG Verkehr

  • BG Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse

  • BG Nahrungsmittel und Gastgewerbe

  • BG Handel und Warenlogistik

  • BG Druck und Papierverarbeitung (mehrfach im Dokument zitiert)

Beispiel aus dem Dokument:

„Zur Absicherung von Gefahrenstellen werden … Lichtvorhänge, Lichtgitter, Laserscanner, Schaltmatten, Zweihandschaltungen … verwendet.“


2. Anforderungen an verkettete Systeme

2.1 Definition

Ein verkettetes System besteht aus seriell oder parallel verknüpften Werkzeugmaschinen oder deren Kombinationen.

„Ist ein Produktionssystem aus seriell und parallel verknüpften Werkzeugmaschinen … aufgebaut, so spricht man von einem verketteten System.“


2.2 Wann wird eine verkettete Anlage zur Maschine?

Eine verkettete Anlage gilt als Gesamtheit von Maschinen nach Maschinenrichtlinie, wenn:

  1. funktionale Verknüpfung besteht

  2. steuerungstechnische Verknüpfung besteht

  3. sicherheitstechnische Verknüpfung erforderlich ist

„Werden alle drei Fragen mit ‚Ja‘ beantwortet, ist die verkettete Anlage eine Gesamtheit von Maschinen …“

Konsequenz: ➡️ Es muss eine neue Konformitätserklärung für die Gesamtanlage erstellt werden.


2.3 Typische Gefährdungen

  • zusätzliche Gefahrstellen durch Verkettung

  • Schnittstellenrisiken

  • Nachlaufbewegungen

  • unvorhergesehene Maschinenbewegungen

  • Manipulation von Schutzeinrichtungen

  • besondere Risiken im Probebetrieb

„Mit jeder Verkettung kann sich die Anzahl der Gefahrstellen erhöhen.“


3. Stand der Technik

3.1 Normenstruktur

  • Typ A‑Normen: Grundnormen (z. B. EN ISO 12100)

  • Typ B‑Normen: Sicherheitsabstände, Not‑Aus, Mindestabstände

  • Typ C‑Normen: Produktnormen (z. B. Industrieroboter, Bearbeitungszentren)

„DIN EN ISO 12100 ersetzt EN 292“


3.2 Sicherheitsabstände

Die Dokumente enthalten zahlreiche Tabellen zu:

  • horizontalen Sicherheitsabständen

  • vertikalen Sicherheitsabständen

  • Engstellen nach EN ISO 13854

  • Annäherungsgeschwindigkeiten (1,6–2,0 m/s)

Beispiel:

„S = (K × T) + C“ – Formel zur Berechnung des Mindestabstands


4. Ausführung & technische Maßnahmen

4.1 Schutzeinrichtungen

Die Unterlagen unterscheiden:

  • trennende Schutzeinrichtungen (feststehend, beweglich, verriegelt, mit Zuhaltung)

  • nicht trennende Schutzeinrichtungen (Zweihandschaltung, Zustimmungsschalter, Lichtgitter)

  • abweisende Schutzeinrichtungen (Finger‑/Fußabweiser)

„Zum Schutz vor bewegten Maschinenteilen können unterschiedliche Schutzeinrichtungen eingesetzt werden.“


4.2 Besondere Betriebszustände

Gefährdungen entstehen u. a. bei:

  • Einrichten

  • Probebetrieb

  • Störungsbeseitigung

  • Wartung

„Das eingesetzte Personal ist im Probebetrieb … einem höheren Risiko ausgesetzt.“


5. Anwendungsbeispiele (inkl. Lösungen)

Beispiel 1: Logistische Anlagen (Postverteilung)

Aus dem Übungsdokument:

  • Gefährdungen: Quetschen, Einziehen, Stolpern, Fahrzeugverkehr, Witterung

  • Schutzmaßnahmen:

    • klare Verkehrswege

    • Geschwindigkeitsbegrenzungen

    • PSA (Warnkleidung)

    • technische Sicherungen an Förderanlagen

    • ergonomische Gestaltung


Beispiel 2: Briefzustellung mit E‑Scooter

Gefährdungen:

  • Verkehrsunfälle

  • Witterung

  • Sichtbehinderungen

  • Lastenhandhabung

  • Ablenkung durch Navigation

Lösungen:

  • Fahrsicherheitstraining

  • rutschfeste Kleidung

  • ergonomische Taschen

  • sichere Abstellzonen

  • regelmäßige Fahrzeugprüfung


Beispiel 3: Verkettete CNC‑Zelle

Gefährdungen:

  • Nachlaufbewegungen

  • ungeschützte Schnittstellen

  • unzureichende Verriegelungen

Lösungen:

  • Verriegelte Schutztüren

  • Lichtgitter mit EN ISO 13855‑Abstand

  • Not‑Halt‑Durchschleifung

  • sichere Betriebsartenwahl (Schlüsselschalter)


6. Regelungen & Vorschriften

Rechtsgrundlagen

  • Maschinenrichtlinie 2006/42/EG

  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)

  • DGUV Vorschrift 1

  • DGUV Regeln (z. B. 100‑500)

  • EN ISO 12100, 13854, 13855, 13857

  • Produktsicherheitsgesetz (ProdSG)

Zitat:

„Die Maschinenrichtlinie zielt darauf ab, dass nur solche Maschinen … betrieben werden, die ein möglichst sicheres Arbeiten ermöglichen.“


Externe Links

  • DGUV Test Zertifikatsrecherche: https://www.dguv.de/dguv-test

  • Gefährdungsbeurteilung: https://www.gefaehrdungsbeurteilung.de

  • Stop Manipulation: https://www.stopp-manipulation.org


Interne Links (für Framer)

  • /blog/maschinenrichtlinie

  • /blog/gefaehrdungsbeurteilung

  • /blog/schutzeinrichtungen

  • /blog/automatisierung

  • /blog/ce‑kennzeichnung


🧾 Zusammenfassung

Verkettete und flexible Systeme bieten enorme Effizienzpotenziale, erhöhen jedoch gleichzeitig die Komplexität der sicherheitstechnischen Betrachtung. Entscheidend ist, dass nicht nur Einzelmaschinen, sondern das gesamte System als Einheit bewertet wird. Die Maschinenrichtlinie, EN‑Normen und DGUV‑Regeln bilden den verbindlichen Rahmen für Planung, Betrieb und Gefährdungsbeurteilung. Mit klaren Schutzmaßnahmen, korrekter Betriebsartenwahl und einer systematischen Betrachtung aller Schnittstellen lassen sich Risiken wirksam minimieren.


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