Risiken, Schutzmaßnahmen und gesetzliche Anforderungen


Einleitung

Biologische Arbeitsstoffe begegnen uns in nahezu allen Branchen – von Gesundheitsdienst und Abfallwirtschaft über Lebensmittelproduktion bis hin zu Lüftungs‑ und Wassersystemen. Die Biostoffverordnung (BioStoffV) bildet den zentralen Rechtsrahmen für den sicheren Umgang mit Mikroorganismen, Viren, Pilzen und Parasiten. Der vorliegende Beitrag fasst die Inhalte des Moduls RT‑j Biostoffe 2025 kompakt zusammen und zeigt, wie Unternehmen Gefährdungen erkennen, Schutzmaßnahmen ableiten und gesetzliche Pflichten erfüllen.


Keywords

Biostoffe, BioStoffV, TRBA, Risikogruppen, Schutzstufen, Gefährdungsbeurteilung, Infektionsschutz, Legionellen, Viren, Endoparasiten, Prionen, Hygiene, PSA, Dokumentation, ABAS, Arbeitsschutz


Sachverhalt

Betroffene Berufsgenossenschaften (BG)

Biostoffe betreffen nahezu alle Branchen. Besonders relevant sind:

  • BGW – Gesundheitsdienst, Pflege, Labor

  • BG RCI – Abfallwirtschaft, Abwasser, Biogasanlagen

  • BG ETEM – Klima‑, Lüftungs‑ und Wassersysteme

  • BGN – Lebensmittelherstellung, Küchen

  • BG BAU – kontaminierte Böden, Abbruch, Sanitärtechnik

  • BGHM – Metallbearbeitung mit Kühlschmierstoffen


Anforderungen

1. Definition Biostoffe

Aus dem Dokument:

„Biostoffe sind Mikroorganismen, die Infektionen, Allergien oder toxische Wirkungen hervorrufen können.“

Dazu zählen:

  • Bakterien

  • Schimmelpilze

  • Viren

  • Endoparasiten

  • Prionen

Nicht dazu zählen:

  • Tiere

  • Pflanzen & Pollen

  • organische Stäube (Holz, Futtermittel)

  • Stoffwechselprodukte

  • Tierhaare, Federn, Lebensmittelbestandteile


2. Risikogruppen (Anhang III RL 2000/54/EG)




Risikogruppe

Beispiele

Gefährdung

RG 1

Bierhefe, Schimmelpilz

geringe Gefahr

RG 2

Legionellen, Salmonellen, Hepatitis A

Krankheit möglich, Behandlung vorhanden

RG 3

Hepatitis B/C, SARS‑CoV‑2

schwere Krankheit, Verbreitung möglich

RG 4

Ebola, Pocken

sehr schwere Krankheit, keine Behandlung










3. Schutzstufen (TRBA 100/250/400)

  • Schutzstufe 1: geringe Infektionsgefahr

  • Schutzstufe 2: Tätigkeiten mit Blut, Proben, Injektionen, Endoskopie

  • Schutzstufe 3/4: Hochrisikobereiche (Labor, Forschung, Spezialstationen)


4. Gezielte vs. nicht gezielte Tätigkeiten

Gezielte Tätigkeiten:

  • Biostoff ist bekannt

  • Tätigkeit ist auf den Biostoff ausgerichtet

  • Exposition ist abschätzbar → Schutzstufenzuordnung zwingend

Nicht gezielte Tätigkeiten:

  • Biostoff nicht bekannt oder nicht im Fokus → keine Schutzstufe, aber Gefährdungsbeurteilung Pflicht

Beispiele aus dem Dokument:

  • Abwasser, Abfallwirtschaft, Biogasanlagen

  • Lebensmittelproduktion

  • Lüftungs‑ und Wassersysteme

  • Pflege, Rettungsdienst

  • Tierhaltung, Landwirtschaft


Stand der Technik

1. Hygienemaßnahmen (TRBA 500)

  • S.O.S. – Sicherheit = Ordnung + Sauberkeit

  • Händehygiene & Desinfektion

  • getrennte Aufbewahrung von Arbeits‑ und Privatkleidung

  • leicht zu reinigende Oberflächen

  • regelmäßige Kontrolle technischer Schutzmaßnahmen

  • Lüftung & mikrobiologische Luftbewertung

  • Dekontamination

  • PSA nach Gefährdung


2. Technische Maßnahmen

  • geschlossene Systeme

  • Absaugung & Filtration

  • Temperaturführung zur Legionellenprävention

  • regelmäßige Spülung von Leitungen

  • sichere Lagerung biologischer Arbeitsstoffe


Ausführung

1. Gefährdungsbeurteilung (BioStoffV § 4 & § 7)

Pflicht vor Aufnahme der Tätigkeit und bei Änderungen.

Inhalte laut Dokument:

  • Identität & Einstufung des Biostoffs

  • Infektionspotenzial, sensibilisierende & toxische Wirkungen

  • Tätigkeitsbeschreibung, Expositionsbedingungen

  • Übertragungswege

  • Erfahrungen aus vergleichbaren Tätigkeiten

  • Substitutionsprüfung

  • Schutzmaßnahmen & Wirksamkeitskontrolle

  • Dokumentationspflicht ab erstem Beschäftigten


2. Schutzmaßnahmen

  • Substitution

  • sichere Lagerung

  • Bestellung fachkundiger Personen (bei RG 3/4)

  • Unterweisung

  • PSA

  • Kennzeichnungspflicht ab Schutzstufe 2

  • Notfall‑ und Alarmpläne

  • ggf. Freisetzungsverbot


Anwendungsbeispiele mit Lösung

Beispiel 1: Legionellen in Warmwasserleitungen

Problem: Temperatur 30–40 °C → optimale Wachstumsbedingungen.

Lösung:

  • Warmwasser > 60 °C

  • Kaltwasser < 20 °C

  • Stagnation vermeiden

  • regelmäßige Spülung

  • Filtration & Desinfektion

  • Dokumentation nach BioStoffV


Beispiel 2: Pflegeheim – Umgang mit infektiösen Patienten

Problem: Nicht gezielte Tätigkeiten, aber hohes Infektionsrisiko.

Lösung:

  • Schutzstufe 2‑Maßnahmen

  • Handschuhe, FFP2, Schutzkittel

  • Händehygiene

  • Schulung & Unterweisung

  • Abfallentsorgung nach TRBA 250


Beispiel 3: Abfallwirtschaft – Sortieranlage

Problem: Mischkontamination durch Bakterien, Pilze, Viren.

Lösung:

  • technische Absaugung

  • PSA: Handschuhe, Atemschutz

  • Hygieneplan

  • regelmäßige Reinigung

  • Gefährdungsbeurteilung nach TRBA 214


Regelungen und Vorschriften

Zentrale Rechtsgrundlagen

  • BioStoffV

  • ArbSchG

  • ArbMedVV

  • IfSG

  • TierSG, TierSeuchErV

TRBA‑Regelwerk (Auszug)

  • TRBA 100 – Laboratorien

  • TRBA 120 – Versuchstierhaltung

  • TRBA 213/214 – Abfallwirtschaft

  • TRBA 220 – Abwasser

  • TRBA 230 – Land‑/Forstwirtschaft

  • TRBA 250 – Gesundheitswesen

  • TRBA 400 – Gefährdungsbeurteilung

  • TRBA 460–466 – Einstufung von Pilzen, Viren, Parasiten, Bakterien

  • TRBA 500 – Hygienemaßnahmen


Externe Links

  • BAuA Biostoffe: https://www.baua.de

  • DGUV Biostoffe: https://www.dguv.de

  • TRBA‑Sammlung: https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Regelwerk/TRBA (baua.de in Bing)

  • Infektionsschutzgesetz: https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg


Interne Links (für deine Website)

  • Gefährdungsbeurteilung Biostoffe

  • Hygiene‑ und Desinfektionskonzepte

  • PSA‑Leitfaden

  • Unterweisungsvorlagen Biostoffe

  • Dokumentationsvorlage BioStoffV


Zusammenfassung

Biostoffe stellen ein breites Spektrum an Risiken dar – von Infektionen über Allergien bis hin zu toxischen Wirkungen. Die BioStoffV verpflichtet Arbeitgeber zu einer systematischen Gefährdungsbeurteilung, klaren Schutzmaßnahmen und umfassender Dokumentation. Mit den TRBA‑Regelwerken, hygienischen Mindeststandards und einer fachkundigen Organisation lassen sich biologische Gefährdungen wirksam beherrschen und Beschäftigte nachhaltig schützen.




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